Auf dem Weg zu einer europäischen Gemeinschaft der Wissenschaftspädagogen

6. – 8. Mai 2011, Brüssel, Belgien

Sir John Holman, Hauptredner der Scientix Konferenz bezog sich auf folgende Maxime Goethes als Einleitung zu seinem Vortrag: “Es gibt keine patriotische Kunst und keine patriotische Wissenschaft. Beide gehören wie alles hohe Gute der ganzen Welt an (…)”. Zwar ist diese Aussage sicherlich für unsere heutige Wissenschaft zutreffend, doch können sich die Wissenschaftspädagogen immer noch durch die nationalen Grenzen, in denen sie leben, in ihrer Arbeit eingeengt fühlen. Die Europäische Scientix Konferenz wollte dazu beitragen, diese Schranken zu überwinden und den Grundstock für eine europäische Gemeinschaft der Wissenschafts-pädagogen zu legen. Mehr als 400 Lehrer, Forscher, politische Entscheidungsträger und weitere Interessenvertreter aus über 40 Ländern trafen sich in Brüssel, um über die gegenwärtigen Herausforderungen, denen sich die Wissenschafts-pädagogik zu stellen hat, zu diskutieren.

Die Konferenz wurde durch die Reden von Herrn Robert-Jan Smits, Leiter der Generaldirektion Forschung und Innovation der Europäischen Kommission sowie von Sir John Holman, von der University of York, Großbritannien, eingeleitet.

Herr Smits sprach über die Strategie Europa 2020, dessen Leitinitiative “Innovationsunion” sowie über die wesentliche Rolle, die der Wissenschafts-pädagogik innerhalb dieser Strategie zukommt: “Wir müssen dringend mehr junge Menschen dazu motivieren, sich für eine berufliche Laufbahn im Bereich Wissenschaft und Technik zu entscheiden. Dazu müssen wir ihnen die nötigen Kompetenzen vermitteln und ihnen das nötige Wissen beibringen. Dies ist die unabdingbare Voraussetzung dafür, dass sie in der Zukunft zu verantwortungsbewussten Innovatoren, Forschern und naturwissenschaftlich interessierten Bürgern werden”, so Herr Smits.

Sir John Holman, vormaliger Direktor des National Science Learning Centre der University of York und Berater der britischen Regierung, hat ein wissenschaftspädagogisches Konzept erarbeitet, das im Stande ist, den von Herrn Smits angeführten Herausforderungen gerecht zu werden. Er unterstrich die essenzielle Tatsache, dass die naturwissenschaftliche Erziehung nicht mehr allein der Vorbereitung der akademischen Ausbildung einer zukünftigen Elite von Wissenschaftlern, Ärzten und Ingenieuren dient, sondern dass es hauptsächlich darum geht, den Bürgern die grundlegenden naturwissenschaftlichen Kenntnisse zu vermitteln, die sie in die Lage versetzen, am demokratischen Entscheidungsprozess hinsichtlich für die Gesellschaft höchstwichtiger wissenschaftsrelevanter Fragestellungen teilzunehmen: “Im wahrsten Sinne des Wortes sind wir nunmehr alle Wissenschaftlicher (…). Wir brauchen eine neue Art der naturwissenschaftlichen Erziehung und wir sind dabei, uns diesem Ziel zu nähern. Diese Konferenz leistet einen sehr wichtigen und hilfreichen Beitrag, um in dieser Richtung weiter voranschreiten zu können”.

Der Vortrag des Hauptredners Sir John Holman stellte die drei Schlüsselelemente eines guten technischen und naturwissenschaftlichen Ausbildungssystems in den Vordergrund: schulisches Curriculum, Pädagogik und Bewertung. Zum Schluss seiner Ausführungen unterstrich Sir Holman jedoch besonders die ausschlaggebende Rolle der Lehrer: “Die Arbeit der Lehrer ist der wichtigste Faktor für den Erfolg der naturwissenschaftlichen Erziehung (…). Die Qualität des Erziehungssystems hängt letztendlich von der Qualität ihrer Lehrer ab.”

In den Parallelveranstaltungen wurde eine Vielzahl von Themen und Problemen erörtert: von pädagogischen Fragestellungen über Bildungstechnologien und Lernressourcen bis hin zu den Interaktionen zwischen Politik, Wissenschaft und Gesellschaft. Doch wurden im Verlauf der Diskussionen einige gemeinsame Gesichtspunkte deutlich, welche diejenigen ergänzen, die während der Eröffnungsveranstaltung und der Plenartagung zur Sprache kamen. Eine Reihe von Empfehlungen fasst diese Aspekte zusammen und gibt den an dem Scientix Projekt Teilhabenden Orientierungshilfen für die kommenden Monate:

  • Teilnahme am gesellschaftlichen Dialog

Im Verlauf der Konferenz wurde wiederholt auf die Politikinitiativen der Europäischen Kommission eingegangen: die Strategie Europa 2020, die “Innovationsunion” und die Bedeutung der naturwissenschaftlichen Erziehung im Kontext dieser politischen Leitlinien. Die Vertreter der Europäischen Kommission betonten, dass deren diesbezüglich zu Papier gebrachten Entwürfe und Vorschläge in naher Zukunft durch neue Gesetzesvorlagen und Fördermodelle konkretisiert werden würden. Es ist äußerst wichtig, dass die Interessenvertreter des Scientix Projekts zu diesen Plänen Stellung nehmen und sich auch Gehör verschaffen.

  • Engagement der Lernenden für die Naturwissenschaften

Die explorativen Lehrmethoden bildeten den gemeinsamen Nenner bei der Vorstellung von innovativen Ansätzen in der naturwissenschaftlichen Erziehung: Nicht allein Fakten und Zahlen sollten im Mittelpunkt des Lehrens stehen, sondern der Prozess wissenschaftlichen Erkenntnisgewinns selbst. Die Vermittlung eigener praktischer Erfahrung – learning by doing – ist von entscheidender Bedeutung, um das Interesse der jungen Menschen für die Wissenschaften zu fördern. Für die Lernenden ist der direkte Kontakt zur realen Forschungsarbeit ein wichtiger Aspekt bei der Umsetzung dieser neuen Lehransätze und während der Konferenz wurden dafür einige anregende Beispiele geliefert.

  • Lehrerausbildung

Um das Konzept des explorativen Lernens in fruchtbarer Weise umsetzen zu können, müssen die Lehrer in adäquater Weise ausgebildet werden. Die Lehrkräfte sollten sowohl über eine ausgezeichnete Kenntnis ihres Fachs wie auch über ausgeprägte erzieherische Fähigkeiten verfügen. Darüber hinaus müssen sie in der Anwendung von Bewertungsmethoden ausreichend geschult sein. “Uns werden [während der Konferenz] einige hervorragende Ressourcen vorgestellt werden, doch wenn die Lehrer nicht genügend ausgebildet sind, um diese in ihrem Unterricht nutzen zu können, werden wir keine zufriedenstellende Ergebnisse erzielen”, gab Sir Holman in seiner Eröffnungsrede zu bedenken.

In den Miniworkshops der Konferenz wurden die Lehrer mit zahlreichen in ihrem Klassenunterricht einsetzbaren IKT-Tools vertraut gemacht: Spiele für den Chemie- und Physikunterricht, Geogebra zum Erstellen von Graphiken zur geometrischen Darstellung, die Moodle Software, für das Gestalten von Online-Kursen, und vieles mehr.

  • Zusammenarbeit und Aufbau von Wissensgemeinschaften

Die Konferenz bot viele interessante Beispiele fruchtbarer Zusammenarbeit: zwischen Schulen und Lehrern sowie zwischen Schulen, Industrie-unternehmen, Lehrern und Forschern. Die Ausstellung präsentierte 25 europäische Projekte zur naturwissenschaftlichen Erziehung. Diese wurden gemeinsam von Lehrern, Forschern und Wissenschaftskommunikatoren aus ganz Europa durchgeführt. Jedoch ist ersichtlich, dass eine größere Zahl dieser Fachkräfte in die Projekte einbezogen werden müssen, um die Zersplitterung von Forschung und Lehre zu überwinden und bewährte Erfolgsmethoden europaweit effizient zu fördern.

Dies waren erst die ersten Schritte des Scientix Projekts, bei dessen Bemühungen, eine europäische wissenschaftspädagogische Gemeinschaft zu verwirklichen. Die lebhaften Diskussionen und das Engagement der Teilnehmer haben uns davon überzeugt, dass wir die richtige Richtung eingeschlagen haben. Wir zählen auf Ihre Unterstützung, damit wir unsere Ziele verwirklichen können!

Wir möchten, allen die der Konferenz beigewohnt haben, unseren Dank aussprechen: den Lehrern, den Rednern, den Projektvertretern, die ihre Aktivitäten und Ergebnisse vorgestellt haben, die Moderatoren der einzelnen Veranstaltungen und den Scientix Lehrern. Nochmals unseren herzlichen Dank, dass Sie dazu beigetragen haben, diese Konferenz zu einem Erfolg zu machen!

Das Scientix Team

Robert-Jan Smits - Scientix Conference

Robert-Jan Smits, Director General
Research and Innovation DG
European Commission

Sir John Holman - Scientix Conference

Sir John Holman, University of York, UK
The conference keynote speaker


Scientix Conferecence - Posters Session

Václav Piskac (left) and Ioan Grosu

Scientix Conferecence - Exhibition

Claudia Alsina (left) and Natalia Ribas

Antonio Aguirre

Antonio Aguirre

Scientix Conference

Miniworkshop on Xperimania

Scientix Conference

Pedro Russo

Scientix Conference - Scientix teachers

Scientix Teachers with the EUN team